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Einblicke aus dem Support-Team

Ich begleite die beiden heute den achten Tag, es ist ihr sechzehnter. Sie liefen bisher täglich.



Der Tagesablauf lässt sich kurz zusammenfassen


Frühstücken mit Lagebesprechung. Es wird geklärt, wie lange sie laufen wollen, wo und nach wie viel Kilometern es den ersten Versorgungsstopp geben soll.


Wir fahren an den Ort, an dem sie am Nachmittag/Abend zuvor gestoppt haben. An manchen Tagen warte ich nach fünf, sie winken mich weiter, an manchen direkt nach den ersten zehn Kilometern. Kurze Trink- und Erholungspause. Ein paar Datteln, eine halbe Banane, ein Joghurt – nur nichts, was den Magen zu sehr belastet.


Per Live-Tracking kann ich sie verfolgen. Während sie laufen, schiebe ich mich durch tunesischen Dorf- wie Stadtverkehr und über die überschaubaren Nationalstraßen; halte dann am Seitenstreifen, sortiere Bilder, rufe ein paar Mails ab, beantworte sie. Bevor ich mich versehe, tauchen zwei Neon-Punkte am Horizont auf.





Mitunter laufen sie in den Sonnenuntergang hinein. Eine wunderbare Atmosphäre mit tollen Farben, in der für die zwei die Gefahr auf der Straße jedoch schnell groß wird. Die Dämmerung ist kurz, sie sind dann kaum noch zu erkennen.


Foto: Anja Kirig


Lange „Tage“, kurze „Nächte“


In der Unterkunft wieder angekommen, erholen sich die beiden so gut wie möglich. Neben dem reinen Laufen, der Grundversorgung von Schlafen, Duschen, Essen, Wäschewaschen, sind Horst und Mareike mit einer Menge an Administration beschäftigt. Entlang der Routen werden passende Unterkünfte gesucht, das Datenpaket muss aufgeladen, das Übersetzungs-Plug-In für die Webseite upgegradet werden, die Kühlelemente in eine Gefriertruhe gebracht werden. Wenn es denn eine gibt.


Foto: Anja Kirig


Dazu kommen eine Vielzahl an kleinen Kommunikationsdingen. Die sozialen Medien werden über den Tag informiert, eine Pressemitteilung wird geschrieben und das wöchentliche Meeting mit den französischen Wissenschaftlern vereinbart. Und immer wieder tauchen unerwartete, kleine Überraschungen auf, für die eine Lösung gefunden werden muss. Und nebenbei gehen beiden noch ihren regulären Tätigkeiten nach. Die Reise ist auch eine finanzielle Investition.


Es ist viel. Ein Rhythmus muss sich erst finden.


Foto: Anja Kirig

Mareike und Horst haben viele fantastische Ansätze, was sie wie an Sport-, Kultur- und Kommunikationsarbeit machen möchten. Ein Teil wurde bereits begonnen, ein anderer Teil muss noch warten, bis sich Routine eingestellt hat. Sofern das bei geplant 13 Ländern mit doch sehr unterschiedlichen Bedingungen möglich ist. Es werden lange Tage und kurze Nächte bleiben.


Bonjour-Foto-Walks


Es bestätigt sich für mich weiter: Tunesien ist ein sehr freundliches Land. Auf meinen Morgenspaziergängen durch Sousse oder Tozeur, Horst und Mareike ruhen noch, grüßen mich in den Städten von Kind bis alte Frau fast alle in einer aufmerksamen Art und Weise.



Foto: Anja Kirig

Das Bonjour ist echt. Die Blicke der Menschen sind offen und interessiert. Es berührt mich.

Vereinzelte Händler und Verkäufer versuchen ihr Glück, lassen aber meist recht schnell los. Impertinent sind nur die wenigsten. Tozeur hat mich besonders fasziniert. Die Stadt versprühte eine fröhliche Vitalität. Sousse war etwas gedämpfter im Stimmungsbild.


Foto: Anja Kirig


Das Interesse der Lokalbevölkerung an dem Projekt Cap-to-Kap bestätigt sich. Trifft man eine Person wieder, im Hotel, im Café, zufällig auf der Straße, dann erzählen sie, dass sie sich – meist die Facebook-Seite – angeschaut und ein „Like“ gesetzt haben. Meist sind es Herzchen, die vergeben werden. Immer wieder erzählen sie auch, welche eigenen Sportarten sie praktizieren. Ein Kickboxer als Kellner, ein Läufer an der Rezeption. Und natürlich verbindet der Fußball. „Ah Cologne, Skhiri!“



Foto: Anja Kirig


Und nicht zuletzt ist es auch der Bus, der auffällt. Es wird gegrüßt und gehupt. Eine Frau meldet sich über Facebook, sie sei auch Läuferin und habe den Bus gesehen. Ob man nicht einen Kaffee trinken wolle.


Buckelpisten oder Fahren nach Gefühl

Der Verkehr ist in allen Städten ähnlich: Man fährt nach Gefühl. Mir gefällt es. Ich fühle mich nicht unwohl inmitten der teils kreuz und quer fahrenden Mopeds, den vielen, sich in jede Lücke schiebenden Autos und hupenden Taxis, Bussen und Transportern. Dazwischen Pferde-Fuhrwerke, streunende Hunde und Passanten. Es erfordert Aufmerksamkeit. Die unzähligen 30er Zonen haben Bodenwellen, manchmal schlecht sichtbar, manchmal überraschend im Nirgendwo platziert. Es gibt viel Präsenz von Polizei und Nationalgarde. Sie kontrollieren die Fahrer. Auch uns. Schauen kurz durch das Seitenfenster, winken uns in der Regel durch.


Am Straßenrand präsentiert sich mir weiter eine der großen Herausforderungen des Landes: Müll. Es ist so viel, dass es fast schon „normal“ für das Auge wird. Die Landschaft ist übersät mit Plastik und Müllkippen. Manchmal wird dieser verbrannt, das Auto füllt sich sofort mit dem beißenden Geruch. Kleine Ziegen- und Schafherden grasen unter den Olivenbäumen inmitten von rußenden Autos und den bunten Plastikblüten der Moderne. Ihre Vorderfüße zusammengebunden. Hirte oder Hirtin. Greise und Kinder.


Foto: Anja Kirig

Prolog


Es gäbe noch viel zu erzählen. Von der Olivenernte und dem intensiven fruchtigen Geruch, der ins Auto dringt, wenn sie in den riesigen Mühlen gepresst werde. Oder von den nicht beleuchteten Mopeds, auf denen ohne Altersbeschränkung jeder fährt, der mit den Füßen auf Pedale oder Trittbrett kommt. Auch jene Fahrzeuge und Lebewesen auf der Autobahn, die es in Deutschland in den Verkehrsfunk schaffen würden, wären eine Geschichte wert.


Neben dem, was dann doch recht fremd ist, sind es die vielen Dinge, die ganz ähnlich sind – von Jugendlichen auf E-Scootern und gut sortierte Weinregale über Graffiti und Business-Frauen bis individualisierte Lebensstile und internationale Marken.


Während ich morgen zurückfliege, laufen Mareike und Horst weiter gen Djerba. Unter glühender Sonne, mit Gegenwind und inmitten von Abgasen, Sand und Staub. Vorbei an bunten Märkten, grüßenden Menschen und unzähligen Olivenbäumen.



Foto: Anja Kirig

Foto: Anja Kirig


Wer sie wie ich ein Stück auf ihrem Weg durch Afrika begleiten und unterstützen möchte, ist sehr willkommen. Bei auftauchenden Fragen stehe ich gerne zur Verfügung, die beiden vermitteln den Kontakt.

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