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Keine leichte Frage

Updated: Feb 20, 2023




Ruhend liegt sie da. Majestetisch. Mächtig. Zu Bild gewordene Substanz in Pyramidenform. Sie strahlt Stärke aus. Klarheit. Zeitlosigkeit in steinernder Form. Als wolle sie Beweis sein für wahre Unveränderbarkeit. Als könne sie Zeugnis sein, für die Existenz der großen Prinzipien dieser Welt. Ruhend steht sie da. Zeichnet mit ihren beiden langen Linien ihre Konturen in den Himmel. Zwei Achsen und ein gemeinsamer Punkt. Eine Spitze. Wo ich bin wird sobald nichts ebenbürtiges sein. Eindeutig. Allein der Gedanke ist Anmaßung. Sie ist da.





Wie universell muss der menschliche Gedanke gewesen sein, der den Ursprung dieses Bauwerkes hat erst ermöglichen können? Wie allumfassend muss die Idee der Welt gefühlt und gedacht worden sein, um dies entstehen lassen zu können? Die Umsetzung allein ist unvorstellbar, doch welche Größe muss das Fundament der Idee erst haben?


Ja, sie ist beeindruckend.




Und dann ist da das Drumherum. Das Flackern der Lichter der vorbeibrausenden Fahrzeuge, die mit ihren Leuchten, sofern vorhanden, rote und weiße Streifen auf die Straße ziehen, auf denen der Staub liegt, der sich zu einer braunen Masse verklebt, im Augenblick, in dem Tropfen vom Himmel fallen. Jeder, so zügig wie er kann, schiebt sich auf zwei Rädern, dreien oder vieren, im Auto, SUV oder klapperndem Mini-Bus, auf dem Pferdewagen oder im Taxi, über die mehrspurige Hauptschneise im Ort und die kleinen verbauten Straßen, in denen andere Gesetze als die der Geradlinigkeit herrschen. Das Aufmerksamkeit wollende, nervöse Hupen der Apen, das kurze freundlich warnende Tuten der Wagen, ein Gemüsehändler, der seine Waren durch ein knatterndes Megaphon anpreist. Ein leicht kratzender Teppich aus Motorengeräuschen, aus dem ab und an ein dunkles, brummendes Geräusch hervortritt oder häufiger noch ein jaulend Grelles. Ein dröhnender Hip-Hop-Bass aus den Boxen einer vorbeifahrenden Ape. Eine Sirene, die sich wabernd in die Mehrtönigkeit einbettet, bevor von irgendwo der Muezzin beginnt, durch die scheppernden Lautsprecher einer Moschee in der Ferne seine Verse zu singen, auf die bald weitere folgen, von ihm und von anderen Muezzinen, die aus anderen Moscheen ihre Botschaft in die kalte Luft Kairos entsenden, die nach Abgasen auf Fernverkehrsstraßen riecht.





Auch das ist beindruckend. Vor allem in seiner Kombination.


Und ich denke nach über die Frage von Heny: Was hälst Du von Ägypten?


Und so steht es da nebeneinander und lässt mich ratlos zurück.


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