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Tunesien in Krümelgröße

Zwischen dem Sport-Kongress in Hamburg und Tourismustag Schaffhausen, Sportbeobachtungen und Tourismuserfahrungen in Tunesien.


Für einen Zeitraum von etwas über eine Woche darf ich zwei Extrem-Sportler begleiten – als Fahrerin, Fotografin und teilnehmende Beobachterin. Ich freue mich über das Vertrauen von Horst und Mareike. Und bin gespannt auf die vielen unterschiedlichen Einblicke, sowohl in das Projekt wie auch in die tunesische Kultur. Ich bin ungemein gespannt auf die Begegnungen und eine Region, in der ich bis dato noch nicht gewesen bin.



Als Horst und Mareike mir das erste Mal von ihrem Vorhaben erzählten, war ich begeistert. Die Idee, Sport zu nutzen, um Kulturaustausch stattfinden zu lassen, ist wunderbar. Denn es benötigt mehr Miteinander und Verstehen füreinander.


Noch immer schaut Europa so häufig auf Afrika als ob es ein riesiges Land wäre und nicht ein so differenzierter und in sich komplexer Kontinent. Die Narrative europäischer Erzählungen spiegeln die Realität vor Ort, wenn überhaupt, dann nur in Krümelgrößen wieder. Das Internet und soziale Medien helfen ebenfalls nur bedingt, schaffen mitunter eher weitere Entfremdungen und Vorurteile.


Sowohl der Sport wie auch ein – Achtung überstrapazierte Floskel – authentischer Tourismus können hier jedoch exzellente Botschafter sein, um neue Verbindungen zu schaffen.


Seit Samstagabend bin ich vor Ort. Meine ersten 40 Stunden sind vorbei.



An der Promenade am Strand in Sousse begegneten mir sonntagfrüh recht viele Sporttreibende. Im Wasser stand man zwar mehr, statt zu schwimmen, dafür waren einige Läufer:innen unterwegs und auch eine ordentlich große Radsportgruppe sammelte sich und fuhr los. Schulkinder einer Privatschule trainierten im Sand. Eine Sportveranstaltung in Sousse zur Brustkrebsvorsorge fand ebenfalls statt.



Mit dem Bus ging es am gestrigen frühen Nachmittag ein Stück Richtung Norden. Horst und Mareike sind exakt an dem Punkt gestartet, an dem sie am Abend zuvor aufgehört hatten. Wir vereinbarten nach wie vielen Kilometern sie eine Pause machen möchten. Es war ihr neunter Tag in Folge.


Die Sonne brannte, im Hintergrund erhoben sich diesig die Ausläufer des Atlasgebirges. Die Landschaft trocken, immer mal wieder durchzogen von einem Olivenhain. Viel Plastikmüll von Mensch und Wind über die Gegend verteilt.


Die beiden laufen Asphalt aus Sicherheitsgründen. Der Seitenstreifen ist uneben, eignet sich dafür zum kurzen Parken und Fotografieren. Der Verkehr ist überschaubar, dennoch wird viel gehupt, um sich bemerkbar zu machen, sich zu beschweren, zu grüßen. Der Bus wackelt durch seine Höhe, je schneller ein anderes Fahrzeug an ihm vorbeifährt.


Noch habe ich nicht die Contenance, mein Körper ist angespannt von den vielen neuen Eindrücken. Auch die recht intensiven Tage zuvor in Deutschland hängen mir noch in den Gliedern. Ich spüre meine Muskulatur ganz ohne Sport. Neben zwei so fokussierten und selbstdisziplinierten Läufern bleibt mir nur Selbstironie.


Dabei ist es für mich völlig nebensächlich, wie viele Monate oder Jahre die beiden für Ihre Tour brauchen. Ich bin bereits von der Vorarbeit der zwei beeindruckt. Was aus meiner Perspektive zählt, ist es auszuprobieren, um dann immer wieder neu zu überlegen, ob es passt.


Es ist eine enorme körperliche Herausforderung, nahezu täglich so viele Kilometer zu laufen. Ich stehe ein wenig staunend, neugierig daneben. Supplementieren sie? Und wenn ja genug? Woher wissen sie, dass ein Schmerz in Knie, Fuß, Leiste (und wo es überall schmerzen kann) sich legt und nicht schlimmer wird?


Kurz vor Hergla kaufe ich frisches Fladenbrot direkt aus dem Holzofen. Mein Französisch ist begrenzt, der Mann in der Buvette und ich verstehen uns dennoch. Fast hätte ich dabei Mareike und Horst übersehen, wie sie in der einsetzenden Abendsonne an mir vorbeilaufen.


Die Menschen in Tunesien sind verwundert bis begeistert. Sie fragen nach, verfolgen auf den sozialen Medien die Aktivitäten. Ich erlebte alle, die wir bisher trafen, als sehr offen, freundlich und geerdet. Auf der Rückfahrt nach Sousse kommen wir mit einem Radfahrer ins Gespräch, der seinen Arbeitgeber als Sponsor auf dem Bus entdeckt hat. Er ist für Decathlon tätig, es gibt ein Selfie, Kontakte werden ausgetauscht. Die Multiplikatoren des Abenteuers wachsen.


Photos: Anja Kirig //Mehr zur Autorin: www.anjakirig.de



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