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Vom ständigen Wandel einer Idee



Als wir die 125-Jahr-Feier des Schwimmvereins, dem ich vorstehe, planten, hatte ich eine genaue Vorstellung davon, wie sich diese dreiwöchige Veranstaltung präsentieren würde.


Als ich die Kunstgalerie in Paris eröffnet habe, hatte ich eine präzise Idee, was ich zeigen würde.


Als ich Leiter einer politischen Stiftung in Nordafrika wurde, hatte ich ein klares Bild der Partner und Projekte vor Augen.


Als ich das Fettnäpfchen Theater in Bonn eröffnete war die Richtung, in der es sich entwickeln würde, eindeutig vorgegeben.



Allein was sich aus den genannten Vorhaben tatsächlich entwickelte war weit weg von den Bildern in meinem Kopf. Alle Projekte hatten ein mächtiges Eigenleben, gespeist aus den Vorstellungen vieler Köpfe und Beteiligter, den Umständen und natürlich der normativen Kraft des Faktischen.


So ist es auch mit unseren Cap-to-Kap-Plänen.


Geboren aus losen Gesprächsfäden zweier Menschen, auf der Suche nach den Wünschen und Vorstellungen des jeweils Anderen, im Hinblick auf eine gemeinsame Zukunft. Das Verschmelzen von Können, Vorstellungen und Visionen, um damit etwas Neues zu schaffen, was von beiden Partnern unterschiedlich aber gleichberechtigt angegangen werden kann. Sportlich sollte es sein, journalistisch bearbeitet werden und mit einer künstlerischen Metaebene veredelt.


Zunächst war da nur der Gedanke an einen langen Lauf mit möglichst vielen Treffen zum kulturellen Austausch. Schon bei der Betrachtung der medialen Möglichkeiten vergrößerte sich das Projekt enorm.


Hinzu kamen starke Einflüsse aus der logistischen Herangehensweise, die immense inhaltliche Auswirkungen haben würden.


Allein die Reiseroute ist selbst ein Politikum erster Güte. Sie wirkt auf Physis und Psyche, und gibt auch die Richtung der künstlerischen Ausdrücke vor.


Zunächst wollten wir von Tunesien aus durch Algerien, und dann durch den Niger oder Mali laufen. Dies wäre die kürzeste Route gewesen. Schon früh mussten wir Abstand davon nehmen. Wir werden nach dem Prolog in Tunesien in Ägypten neu ansetzen, um dann die Ostroute zu laufen.


Einer unserer Sponsoren bat uns dann, einen Abstecher durch Kenia zu machen, was zunächst nicht geplant war. Wir werden dort durch Iten laufen, einem internationalen Trainingszentrum für Langstreckenläufer im Hochland von Kenia. Dort besuchen wir auch ein Schulprojekt mit dem Namen Simba for Kids. Auf diesen Umweg freue ich mich bereits jetzt.


Weitere Besuche kultureller Fixpunkte sind geplant. Mit zunehmender Planung verwandelt sich der lange Lauf in eine Kulturreportage. Immer mehr Medien möchten unseren Lauf begleiten und in Abständen darüber berichten.


Mit dieser Veränderung vom Sportevent zur permanenten Kommunikation verliert auch die ungeheure Strecke an Bedrohung. Der Leistungsgedanke wird von der Neugier auf unsere Treffen und Diskussionen verdrängt.


Wahrscheinlich ist das nicht der letzte Dreh im Zugang zu unserem Projekt.

Vielleicht wird auch das Begleitteam enormen Einfluss auf den Fortgang unserer Kulturexpedition haben.


Ich denke auch, dass externer Input über unsere Webseite und durch permanente Diskussion den Charakter der Reise verändern wird.


Dennoch ist es leicht zu erklären, wie sich aus unseren Lebensläufen diese Idee entwickeln musste, aber auch das ist nur eine mögliche Geschichtserklärung. Was aber die Zukunft bringt ist vollkommen offen.


Ich erinnere mich an einen sehr speziellen Moment in Genua, als ich auf der Motorhaube unseres Autos lag und in den Himmel träumte, während ich mit meiner damaligen Partnerin auf die Fähre nach La Goulette (Tunesien) wartete. Ich hatte schon ein Leben in Köln und Bonn hinter mir, mit Schule, Kaufmannsausbildung, Studium, als Wirt und Theaterbesitzer. Was sollte da noch kommen? Und so waren meine Gedanken auch: “Was soll ich da?“ Die kommenden zehn Jahre in Afrika und Paris haben mein Leben jedoch noch einmal vollkommen verändert und in eine neue Richtung geworfen.



Heute schaue ich wacher und viel interessierter auf alles Neue als damals, als es so klar vor meinen Augen lag, aber nicht gesehen werden konnte. Heute denke ich, dass unsere Leben aus vielen Geschichten besteht, die von verschiedenen Menschen erzählt ineinander verwoben werden und verschieden interpretiert werden können. Die Kausalität verliert dadurch etwas an Dominanz.


Ich bin gespannt auf unsere Geschichte, die lange Kulturreportage aus Afrika mit Mareike, und wie wir sie später in unsere Leben und die Geschichte einordnen.

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