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Minimalisten im Niemandsland

Updated: Mar 20, 2022

Reportage eines langen Sportwochenendes


Der Plan

Um zu empfinden, wie sich höherer Kraftaufwand an zwei aufeinanderfolgenden Tagen, im Hinblick auf unsere Afrikaquerung, auf unsere Körper und Köpfe auswirkt, haben wir ein Bike und Run über ca. Neunzig Kilometer geplant.

Die zunächst ausgesuchte Strecke entlang der Loire wurde kurzfristig fallen gelassen und durch die Strecke Rambouillet, Chartres, Rambouillet ersetzt.


Die Vorbereitung

Zwei Personen mit einem Rad ohne Satteltaschen aber mit einem Bikepack müssen ihre Fracht auf das Notwendige minimieren. Hosengürtel gehören auf jeden Fall nicht dazu,

Handschuhe gegen die Kälte und eine Regenjacke wurden schlicht vergessen, die Sanitärartikel auf Kleinpackungen reduziert und die Mitnahme nach Notwendigkeit gewichtet.

Diese Überlegungen und deren Umsetzung sollten wohl am Besten am Abend vor der Abreise erledigt sein, sonst läuft man Gefahr öffentliche Transportmittel zu verpassen, was aber nicht viel ausmacht, wenn sie stündlich fahren.


Die Umsetzung

Samstag früh mit dem Zug nach Rambouillet. Das Wetter ist kühl, aber sonnig. Wir haben abgemacht, das wir uns stundenweise mit Laufen und Radfahren abwechseln und nach vier Stunden in einen zehn Minuten Rhythmus wechseln. Unser Durchschnittstempo war auf etwas über 6 Minuten pro Kilometer angelegt. Wir starten am Bahnhof dieser eher nichtssagenden Stadt in Richtung Westen. Unser Weg führt uns zunächst kurz durch die Ortschaft und dann entlang langer Landstraßen, im Wesentlichen ohne Fahrradwege, durch leicht hügeliges Gelände, durch Dörfer ohne Chic und Stil, dafür aber mit Reminiszenz an verschiedene Heilige der Kirchenerzählung. Nach etwa der Hälfte der Strecke, am Ende einer besonders langen Geraden, kommen wir dann auf kleinere Straßen mit weniger Verkehr und pittoreskeren Hausensembles.

Vier Kilometer vor unserem Ziel hat man, auf einer Anhöhe, den ersten Blick auf die berühmte Kirche von Chartres, die älteste gotische Kathedrale der Welt. Bis wir dort über kleine Umwege ankommen, vergeht noch einmal eine halbe Stunde. Dort gibt es erst mal zur Belohnung Cafe` Gourmand und danach geht es in das schnell gebuchte Hotel. Dort wird sich geduscht und sich aufgewärmt, bevor es Abends auf Restaurantsuche geht. Die Besichtigung der Kirche wird auf den nächsten Morgen verschoben. Erstaunlicherweise zeigen Beine und Körper bei uns Beiden keine besonderen Ermüdung. Dennoch werden nach dem Dinner unsere Beine nochmal gegenseitig massiert. Dann fallen wir in den Schlaf und meine Brille irgendwie hinters Bett.


Am nächsten Morgen stehen wir für unsere Verhältnisse früh auf. Um zehn Uhr sind wir mit Frühstück und Packen fertig und besuchen erstmal die Kirche. Es ist erstaunlich was die Menschen im Mittelalter dazu getrieben hat, vor allem im Hinblick auf ihr eigenes überschaubares Leben, ihrem Gott solche Riesenwerke zu planen und zu bauen.

Dann geht es zunächst auf demselben Weg zurück. Diesmal aber bei Regen und heftigem Wind. Der Modus ist derselbe wie am Vortag. Kurz bevor wir die Stelle erreichen wo die aussagelosen , langen Straßen beginnen, entscheiden wir uns eine Alternativroute zu nehmen, die Mareike aus ihrem Mobiltelefon zaubert. Dadurch ist es nicht weniger ungemütlich, aber der Verkehr nervt weniger, und die Gegend ist leicht gefälliger.

Nach 4,5 Stunden sind wir dann am Bahnhof von Rambouillet. Noch vor drei Uhr nehmen wir den Zug zurück in die Region um Paris. Dort kaufen wir noch Baguette und Kuchen, und nach einem ausgiebigen Bad halten wir ein klassisches Apero.


Die Erkenntnis

Die Anstrengung war geringer als befürchtet, und auch der zweite Tag wurde gut durchlaufen. Wir können im Anschluss noch produktiv arbeiten und vom Tag ist noch einiges über für Planung und Regeneration. Ein Wochenende der Hoffnung der Minimalisten im französischen Niemandsland.


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